Hackday-Thema · Yayoi Kusama
Supernova
Ein interaktiver Sketch, in dem ein Lichtnetz flüssig auf den Betrachter reagiert, sich durch Mausklick energetisch verdichtet und schließlich in einer Supernova auflöst.
Das Artefakt
Das Artefakt nimmt das Prinzip der unendlichen Netze (Infinity Nets) aus Kusamas Werk auf und übersetzt es in ein interaktives, kosmisches Spektakel. Mehrere leuchtende Neon-Lichter rotieren in geordneten Kreisbahnen um das Zentrum und weben ein dynamisches Liniennetz. Sobald der Betrachter die Maus bewegt, weichen die Punkte aus. Hält man die Maustaste gedrückt, kollabiert das geordnete System: Alle Punkte werden angesaugt, bis das System nach zwei Sekunden in einer gewaltigen Supernova-Explosion ausbricht und sich im Chaos auflöst.
Bezug zu Kusama
Yayoi Kusama nutzt die Punkte (Polka Dots) und Netze, um den Betrachter in eine endlose, kosmische Dimension zu entführen. Ein Prozess, den sie Self-Obliteration (Selbstauflösung) nennt. In diesem Sketch wird diese Auflösung erfahrbar gemacht: Die geordnete Struktur der Kreise verliert durch den Druck des Mausklicks völlig ihre Identität und endet in einem Urknall, der den gesamten Raum visuell sprengt.
Bei der Self-Obliteration geht es aber nicht um die Vernichtung des Selbst, sondern um das Verschmelzen mit der Umwelt. Man wird Teil eines großen Ganzen, bleibt aber als Individuum bestehen. Der weiße Kern sorgt dafür, dass jeder Punkt selbst im dichtesten Netz, im extremen Sog und während der Explosion als eigenständiges, leuchtendes Wesen sichtbar bleibt.
Das Prinzip der obsessiven Wiederholung bleibt, aber das Medium wechselt. Vom greifbaren Raum in eine interaktive, digitale Simulation von Anziehung und Explosion. Was bei Kusama physische Materialität ist, wird hier zu Licht und der Bewegungsenergie einer Mausinteraktion.
Wie die Interaktion funktioniert
Fünf Parameter steuern das Verhalten des Sketches über die GUI: die Lichteranzahl und -Größe, die Netzdichte, also die Reichweite der Linien. Sowie die Stärke der Verdrängung durch den Cursor und die Geschwindigkeit der Rotation.
Im Leerlauf gleiten die Punkte sanft umher, abgegrenzt vom Cursor. Der wichtigste interaktive Moment ist jedoch der Mausklick: Er fungiert als Timer. Erst das Halten baut die Spannung auf, und es ensteht eine Verdichtung, die sich kurze Zeit später in einer Explosion entlädt.
Drei Zwischenstationen
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01
Station
Absicht:Wie Selbstauflösung funktioniert, wenn man nicht neue Punkte hinzufügt, sondern die Farbe Schicht für Schicht wegschneidet.
Geschehen:Der Bildschirm startet als eine komplett leuchtende Neon-Fläche. Das Programm zeichnet nun ununterbrochen schwarze Kreise willkürlich über das Bild, bis am Ende fast alles im Schwarz versinkt. Auch die Maus stanzt beim Bewegen zusätzliche Löcher in die Fläche.
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02
Station
Absicht: Endlose Lichtbahnen erzeugen.
Geschehen: Die Lichter gleiten in weichen Kurven. Da der Hintergrund fast komplett durchsichtig bleibt, frieren die Linien regelrecht ein. Die Punkte drehen sich permanent im Kreis und schichten ihre Spuren immer wieder übereinander.
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03
Station
Absicht:Ein feines Liniennetz rein mathematisch steuern.
Geschehen: Während die Lichter rotieren, werden die Abstände zwischen den Punkten geprüft: Kommen sie sich nahe genug, verbindet sie die Linie.
Erkenntnis
Self-Obliteration bedeutet nicht das Ende der eignen Existenz, sondern als Individuum eins mit der Gemeinschaft, und dem Universum zu werden.